ÜBER MICH
Was kann mehr im Zentrum des künstlerischen Denkens stehen als der Mensch selbst?
Der Mensch, dessen inneres Bild nach außen gestülpt wird. Nein, auch ein Künstler weiß nicht, was im Kopf jedes Einzelnen vorgeht, welches Seelenleben ihm innewohnt, wie viel Angst, Begeisterung, Hass und Liebe. Doch wenn ich Menschen betrachte, entstehen für mich einzigartige Bilder. Wie Geschichten, die aus seinem Mund heraussprudeln, erzählt mir das Antlitz eines Menschen eine Geschichte.
Auch Hände und Körperhaltung erzählen. Eine Geste kann manchmal mehr sagen als Worte. Besonders die symbolischen Hand- und Fingergesten interessieren mich, weil sie etwas von dem sichtbar machen können, was sich hinter der äußeren Erscheinung eines Menschen verbirgt.
Aus dieser Auseinandersetzung mit dem Menschen ist unter anderem die Serie „Typen und Töne“ entstanden, in der ich Porträt und Musik verbinde. Farbe, Rhythmus, Gestik und Struktur werden dabei zu unterschiedlichen Möglichkeiten, Persönlichkeit und Ausdruck sichtbar zu machen.
Menschen am Meer
Jahrelang habe ich bei meiner beruflichen Tätigkeit im Spitalswesen verletzte, verwirrte, hilfsbedürftige, wütende und dankbare Menschen kennengelernt und ihre Gesichter betrachtet. Viele Bilder sind daraus entstanden.
Später, bei meinen Reisen, hat sich der Schatz an Menschenbildern erweitert. Von 2019 bis 2025 war ich mit einer kleinen, selbst renovierten Stahlyacht unterwegs – zunächst von den Niederlanden über den Ärmelkanal an die europäische Atlantikküste, später weiter über Afrika bis zu den Kanarischen Inseln. Und wieder waren es die Menschen und ihre Geschichten, die mich inspirierten. Hunderte Skizzen sind in dieser Zeit entstanden – Gesichter, Begegnungen, Gesten und Eindrücke. Aus diesem Material ist die Werkserie „Menschen am Meer“ entstanden, die ich bis heute auf Leinwand weiterführe.
Das Meer, das Segeln und die Weite des Horizonts haben dabei meinen Blick auf Mensch und Landschaft verändert. Und es ist kein Zufall, dass ich mich heute dort niedergelassen habe, wo Wasser und Land auf besondere Weise zusammentreffen: am Neusiedler See.
Burgenland – Ansichten und Gesichter
Heute lebe und arbeite ich in Breitenbrunn am Neusiedler See. Die Entscheidung für diese Region war eine bewusste – wegen des Wassers, der Weite, des Segelns und des Horizonts.
In meiner aktuellen Serie „Burgenland – Ansichten und Gesichter“ beschäftige ich mich mit meiner neuen Umgebung: mit dem See und seinen Seglern, mit Kellergassen und Dörfern, mit Landschaften und den Menschen, die hier leben. Wie beim Menschen interessiert mich auch bei der Landschaft das, was hinter der sichtbaren Oberfläche liegt – die Stimmung, die Atmosphäre, das, was einen Ort unverwechselbar macht. Früher waren es die Hügel und Kellergassen des Weinviertels, heute sind es die Landschaften des Burgenlandes, die in meine Bilder Eingang finden. Orte verändern den Blick, und ein neuer Ort verändert auch die Malerei.
Dimensionen
Ich habe mir eine spezielle Form der Spachteltechnik zu eigen gemacht und setze neben Spachtelmasse und Bauwerkzeug eine Mischung aus Acryl- und Ölfarben sowie eine Lasur ein. Die Grundierung der Leinwand ist zugleich mentale Vorbereitung auf die eigentliche Schaffensphase. Der nächste Schritt muss rasch erfolgen: Die Spachtelmasse wird aufgebracht, die Linien, aus denen Gesichter und Formen wachsen, müssen zügig und mit Überzeugung gezogen werden. Sie treten mit dem Hintergrund in Verbindung, verschmelzen mit ihrer Umgebung und bilden eine unstrukturierte und dennoch logische Einheit.
Die Figuren bleiben erkennbar, werden aber verändert, überzeichnet und manchmal bis ins Groteske verzerrt. Das, was durch die Veränderung sichtbar werden kann, ist für mich das Spannende. Die Farbgebung erfolgt anschließend in mehreren Schichten. Sie gleicht einem meditativen Prozess, kann Stunden oder Tage dauern und zeichnet ein entscheidendes Stimmungsbild.
Die Linien sind der Körper des Bildes, die Farbe ist seine Seele.
Kurzbio
Geboren und aufgewachsen bin ich in Niederösterreich, im Weinviertel, heute bewegt sich mein Leben und meine künstlerische Arbeit zwischen Wien, dem Neusiedler See und dem Atlantik. Über viele Jahre entwickelte ich meine Malerei parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen, wobei die Begegnung mit Menschen und ihren Lebensgeschichten zu einer wichtigen Quelle meiner künstlerischen Arbeit wurde. Heute konzentriere ich mich vollständig auf die Kunst.
Kurse in Porträtmalerei und Aktzeichnen an der Wiener Volkshochschule sowie meine Beschäftigung mit unterschiedlichen Maltechniken waren wichtige Stationen auf meinem Weg. Aus diesen Erfahrungen entwickelte ich meine eigene Form der Spachteltechnik, die ich bis heute weiterentwickle und modifiziere.